Als ich mich 2016 dazu entschied, meine politische Arbeit auch in den sozialen Netzwerken sichtbar zu machen, war meine Hoffnung groß. Ich wollte den direkten Draht zu den Bürgerinnen und Bürgern. Ich wollte diskutieren, erklären und zuhören. Heute, fast 10 Jahre später, muss ich feststellen, dass sich der digitale Raum massiv verändert hat. Was früher oft ein lebendiger Austausch war, ist heute viel zu häufig ein Spießrutenlauf. wir erleben eine zunehmende Verrohung der Sprache. Aus sachlicher Kritik wird persönliches Mobbing, aus Gegenargumenten werden gezielte Einschüchterungsversuche. Diese Dynamik ist kein Zufall - sie ist Methode. Ziel ist es, engagierte Menschen mürbe zu machen, bis sie sich frustriert zurückziehen.

Oft höre ich den Rat: "Lies die Kommentare doch einfach nicht" oder "Lösch doch dein Profil". Aber genau das ist der falsche Weg! Wenn wir uns aus dem digitalen Raum zurückziehen, überlassen wir das Feld den Lauten, den Hetzern und denen, die unsere Demokratie destabilisieren wollen.

Deshalb sage ich heute ganz deutlich: "Ich werde nicht verschwinden".

Meine Präsenz seit 2016 ist kein Zufall, sondern Ausdruck meiner Überzeugung. Ich lasse mir den Mund nicht verbieten - weder am Infostand noch in der Kommentarspalte. Dabei habe ich gelernt, dass wir uns wehren können, indem wir das Spiel nicht mitspielen. Ich nutze heute konsequent die "Stopp-Regel" und antworte nicht mehr auf offensichtliche Trolle. Wer nur beleidigen will, sucht eine Bühne, keine Antwort! Blockieren und Melden sind als letzte Möglichkeit für mich keine Zensur, sondern notwendige Mittel, um den Raum für echte Argumente freizuhalten.

Wir Grünen stehen für eine Politik, die auf Respekt und Sachlichkeit basiert. Das gilt auch oder gerade im Netz. Wir müssen wieder lernen, hart in der Sache zu streiten, ohne die menschliche Würde des Gegenübers anzugreifen. Dabei ist digitale Zivilcourage der Schlüssel! Wenn ihr seht, dass Diskussionen entgleisen, setzt ein Zeichen für Sachlichkeit. Ein kurzer Kommentar wie "Ich teile diese Meinung nicht, aber der Ton hier ist unmöglich" hilft den Betroffenen enorm und macht Solidarität sichtbar. Wir dürfen nicht zulassen, dass Mobbing zur Normalität wird. Es geht darum, gemeinsam Haltung zu zeigen und denjenigen den Rücken zu stärken, die sich für unser Gemeinwesen tagtäglich ehrenamtlich einsetzen. Es geht nicht um DIE da oben, sondern um Menschen aus eurer Mitte!

Wir sollten reden - offline wie online! Mir ist der Austausch mit euch wichtig. Wenn du selbst Erfahrungen mit digitalem Mobbing gemacht hast oder dich fragst, wie wir unsere kommunale Debattenkultur schützen können, kontaktiere mich. Niemand muss diesen Hass alleine durchstehen. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass der Respekt in unsere Politik zurückkehrt - im Ratssaal und auf dem Bildschirm! Hast du Anmerkungen oder suchst du Unterstützung? Schreib mir einfach eine E-Mail an die auf dieser Homepage verknüpften E-Mail-Adresse oder suche das persönliche Gespräch mit mir.

von Lars Marschalleck