Vom Tellerwäscher zum Millionär – ist dieser Traum inzwischen gestorben?
Die Aussage von Friedrich Merz zum „Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration hat eine intensive und kontroverse Debatte in Deutschland ausgelöst. In welchem Land wollen wir zukünftig leben, und wie sollten wir uns diesbezüglich im Landkreis Helmstedt aufstellen?
Kritiker sahen in Merz seiner vagen Formulierung und der Verknüpfung mit Rückführungen eine pauschale Kriminalisierung von Menschen, die als „nicht weiß“ oder „migrantisch“ wahrgenommen werden.
Soziologen bezeichneten die Aussage als eindeutig rassistisch, da sie „ein weißes deutsches Stadtbild“ als Norm impliziere. Viele Menschen und Institutionen kritisieren, dass Merz die Probleme des öffentlichen Raumes, wie zum Beispiel Armut, Drogensucht und soziale Missstände, auf Migration einengt und damit von komplexeren Ursachen ablenkt. Wie will man Missstände angehen, wenn man nur oberflächlich schaut und lieber nach unten tritt? Ökonomen warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden, da solche Äußerungen Deutschland für dringend benötigte Fachkräfte unattraktiv macht!
Trotzdem befindet sich Merz in guter Gesellschaft, was seine Äußerungen zur Migration anbelangt. Donald Trump hat einen radikalen, umfassenden Kurswechsel in der Migrationspolitik eingeleitet, der auf eine drastische Reduzierung der Einwanderung abzielt. Unter anderem soll das gesamte legale Einwanderungssystem auf eine stärkere Leistungs- und Vermögensorientierung ausgerichtet werden und damit die legale Zuwanderung in den kommenden Jahren halbiert werden. Ins Land dürfen nur Menschen, die über entsprechendes Kapital verfügen. Ist damit der amerikanische Traum vom Tellerwäscher gestorben? Wie will man eine Gesellschaft voranbringen, wenn man diese immer wieder mit Worten spaltet, jeden Tag ein wenig mehr? Nur gemeinsam kann man ambitionierte Ziele erreichen. Waren in Deutschland beim „Wirtschaftswunder“ in den 50er- und 60er-Jahren nicht maßgeblich Gastarbeiter am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt? Gerade in dieser Region haben wir erheblich von der Zuwanderung profitiert.
Gibt es überhaupt noch eine reale Chance, auch jetzt noch Ideen in Kapital umzuwandeln? Tuyen Pham kam vor über 20 Jahren als vietnamesisches Flüchtlingskind nach Deutschland. Heute erwirtschaftet er mit seinen Restaurants in Berlin und Hamburg viel Geld, welches er auch in andere Wirtschaftszweige investiert. Damit wurde er als Flüchtling zu einer wichtigen Stütze unserer Gesellschaft. Mit seinen Steuerzahlungen werden öffentliche Aufgaben finanziert und wahrgenommen. Städte und Gemeinden profitieren von den Einnahmen der Gewerbesteuer. Gibt es ähnliche Erfolgsgeschichten auch in unserer Region? Natürlich – Ijad Madisch ist zum Beispiel ein deutscher Virologe, dessen Eltern 1964 von Syrien nach Deutschland kamen. Er wurde 1980 in Wolfsburg geboren. Er erkannte den Missstand, dass der Austausch zwischen Forschern oft schwierig und langsam war. Obwohl sein Professor ihm von der Idee eines Netzwerks für Forscher abgeraten hat, gründete er "ResearchGate" und wurde dafür mit dem „Deutschen Gründerpreis” und dem „Deutschen Unternehmerpreis“ ausgezeichnet. Diese Menschen sind das Stadtbild, das schon lange vielseitig und bunt in Deutschland ist. Bei allen Problemen in diesem Land sollten wir uns dieser Möglichkeit nicht berauben!
Diese Beispiele sollten wir uns als Vorbild nehmen und alles dafür tun, dass Integration gelingen muss. Letztendlich benötigt dieses Land aber nicht nur Geschäftsleute, sondern viele Wirtschaftszweige sind in unserem Land auf Ausländer und Migranten angewiesen. Diese Abhängigkeit nimmt aufgrund des demografischen Wandels, gerade in unserer Region, weiter zu. Laut den Prognosen des “Statistischen Bundesamtes” und Studien von Wirtschaftsforschungsinstituten, wie dem “Institut der deutschen Wirtschaft”, würde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre) ab 2030 kontinuierlich um mehrere Millionen sinken. Wir dürfen also nicht weiter unsere Augen vor diesen Fakten verschließen. Wenn es um das Wohl und die Leistungsfähigkeit unseres Landes geht, darf nicht zwischen „Wir“ und „Die“ unterschieden werden! Wir müssen endlich wieder gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und ein zweites Wirtschaftswunder schaffen. Schon 2021 habe ich mich als Kommunalpolitiker dafür eingesetzt, dass Schöningen zum “sicheren Hafen” wird. Das bedeutet, dass sich die Stadt bereit erklärt, aus Seenot gerettete Menschen aufzunehmen – ähnlich wie bei der Verteilungsquote für Schutzsuchende. Laut Langzeitstudie des “Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)” hat sich die Beschäftigungsquote dieser Menschen in den Jahren stark verbessert. Es muss weiter daran gearbeitet werden, dass Migranten so schnell wie möglich einen Job bekommen und diesen überhaupt ergreifen dürfen. Wir sollten diese Möglichkeit als Chance und nicht als Bedrohung für unseren Landkreis sehen! Letztendlich kann Jede und Jeder dazu beitragen, dass Integration gelingt. Die Leistungsfähigkeit vieler Wirtschaftszweige kann dadurch nur verbessert werden und das könnte ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu vielen anderen Mitbewebern sein, wenn es um das Ansiedeln neuer Arbeitgeber hier vor Ort geht... Nutzen wir endlich diese Chance, anstatt ständig alles schlechtzureden und Gründe dafür zu suchen, etwas nicht zu tun.
von Lars Marschalleck

.png?etag=%22bc2c-66e3ffb2%22&sourceContentType=image%2Fpng&ignoreAspectRatio&resize=119%2B64)