Realismus statt Stillstand: Warum Belebung Vorrang vor Ideologie hat.

In den letzten Tagen gab es Kritik an meiner Unterstützung für die Ansiedlung von Woolworth in unserer Innenstadt. Es wird mir vorgeworfen, dies passe nicht zu „grüner Politik“. Dazu möchte ich klar Stellung beziehen: Als Ratsmitglied trage ich Verantwortung für die ganze Stadt Schöningen. Wir kämpfen seit Jahren gegen Leerstand und das Ausbluten unserer Innenstadt. Jedes geschlossene Geschäft ist ein Verlust für die Lebensqualität und die Attraktivität unserer Heimat.

Warum ich hinter dieser Entscheidung stehe:

Gegen die Verödung: Ein belebtes Schaufenster ist besser als eine vernagelte Fassade. Leerstand zieht weiteren Leerstand nach sich. Woolworth wirkt hier als Frequenzbringer, von dem auch die umliegenden kleinen Läden und Cafés profitieren.

Soziale Realität: Politik darf nicht an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehen. Nicht jeder Haushalt in Schöningen hat das Budget für den exklusiven Bio-Fachhandel. Wir brauchen eine Innenstadt für alle Bürgerinnen und Bürger.

Arbeitsplätze und Steuern: Ansiedlungen bedeuten Arbeitsplätze vor Ort und Gewerbesteuereinnahmen, die wir dringend brauchen, um unsere Schulen, Spielplätze und Radwege zu finanzieren.

Ebenen trennen: Die Kritik an globalen Lieferketten und Produktionsbedingungen ist absolut berechtigt – und genau deshalb setzen wir Grüne uns auf Bundes- und EU-Ebene mit Nachdruck für das Lieferkettengesetz und faire Arbeitsbedingungen ein. Diese Standards müssen für alle Unternehmen gelten. Es ist jedoch keine Lösung, den Leerstand in Schöningen zu verwalten, bis ein „idealer“ Investor kommt, der in der aktuellen Wirtschaftslage vielleicht gar nicht existiert. Außerdem kann man nur bedingt auf die Immobilienbesitzer Einfluss nehmen, die diese Läden verpachten.

Mein Ziel ist ein Schöningen, das lebt. Ich werde mich weiterhin für Nachhaltigkeit und Ökologie einsetzen, aber ich werde nicht zusehen, wie unsere Innenstadt ausstirbt, während wir auf den „perfekten“ Laden warten. Politik bedeutet, im Hier und Jetzt Lösungen zu finden. Meine Aufgabe als Ratsmitglied ist es, Schöningen lebendig zu halten. Ein leerer Laden ist ein Zeichen von Resignation. Natürlich wünsche ich mir maximale Nachhaltigkeit, aber Politik beginnt mit der Betrachtung der Realität. Hier vor Ort werde ich auch weiterhin dafür kämpfen, dass unsere Innenstadt nicht ausstirbt."

von Lars Marschalleck