Wenn wir an Politik denken, landen wir oft schnell bei den großen Schlagzeilen aus Berlin oder Brüssel. Wir denken an Talkshows, Grundsatzprogramme und ideologische Grabenkämpfe. Doch wer sein Kreuz bei der Kommunalwahl macht, sollte den Blickwinkel ändern. Denn auf Ebene der Stadt- und Gemeinderäte zählt am Ende nicht das Logo auf dem Plakat - es zählt der Mensch, der dahintersteht.

Mein eigener Weg in die Politik war alles andere als geradlinig. Ich bin als Parteiloser gestartet. Ohne festes Dogma, aber mit dem festen Willen, in meiner Stadt etwas zu bewegen. Ich wollte anpacken, Probleme lösen und mitgestalten. Dabei habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Politische Inhalte sind das eine, aber die Kultur des Miteinanders ist das, was den Unterschied macht. Auf meiner Suche nach Mitstreitern habe ich viele Türen abgeklappert. Ich erlebte Abweisung, bürokratische Kühle und eine gewisse Skepsis gegenüber "Quereinsteigern".

Das änderte sich radikal, als ich den Kontakt zu den Grünen suchte. Dort fand ich nicht nur ein Programm, mit dem ich mich identifizieren konnte, sondern vor allem eines: Unterstützung.

Während andere eher abweisend reagierten, wurde ich hier mit offenen Armen empfangen. Man bot mir Mentoring, Wissen und ehrliches Interesse an meinen Ideen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass eine Partei noch so glänzende Prospekte drucken kann - wenn die Menschen darin nicht bereit sind, Brücken zu bauen und neue Köpfe zu fördern, bleibt die Politik starr und bürgerfern.

In der Kommunalpolitik geht es selten um die "große Weltpolitik". Es geht um den neuen Radweg, die Sanierung der Grundschule oder die Förderung lokaler Vereine. Das sind pragmatische Aufgaben. Ein Mitglied im Stadtrat muss greifbar und menschlich sein, auch wenn man sich beim Bäcker oder im Sportverein trifft. Nur wer zuhören kann, versteht, wo der Schuh drückt. Ideologische Scheuklappen helfen nicht weiter, wenn es um pragmatische Lösung für ein lokales Problem geht. Gute Politik in der Stadt ist Mannschaftssport. Die beste Unterstützung erhält man dort, wo Wertschätzung großgeschrieben wird!

Ich habe meine Heimat bei den Grünen gefunden - nicht nur wegen der ökologischen Ziele, sondern weil ich dort Menschen getroffen habe, die mich als Person gefördert haben. Wenn man also demnächst wieder vor dem Stimmzettel sitzen wird, sollte man nicht nur auf die Farbe der Liste schauen. Vielmehr sollte man darauf achten, dass man sich für eine Person entscheidet, die auch anpacken möchte und offen für Neues ist. Sie sollte bewiesen haben, dass ihr das menschliche Miteinander wichtiger ist als reine Parteitaktik. Denn am Ende sind es Menschen, die unsere Heimat gestalten - keine Parteiprogramme.

von Lars Marschalleck